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Können Möbel sprechen?                                                                                                                                      
Im Vordergrund des Interesses der Designer standen immer die praktischen Funktionen, das heißt die technischen Leistungen der Produkte, die Gestaltung der Bedienelemente oder Fragen der Bedürfnisbefriedigung, also soziale Funktionen. Gleichwohl gab es bereits um die Jahrhundertwende "sprechende Möbel". Der französische Kunsttischler Emile Gallé versuchte, die "Seele" von Pflanzen auf seine Möbel zu übertragen. Im täglichen Umgang sollten sie einen besänftigenden und versöhnenden Einfluß auf den schon damals von Technik und Industrie gequälten Menschen ausüben. Die Zeichen des Jugendstils bewegten sich nah an ihren Vorbildern, verdeutlichen klar, daß Formgebung eine Sprache ist und somit nicht nur materielle Realität erzeugt, sondern auch eine kommunikative Funktion erfüllt. Möbel erzählen, wie sie entstanden sind, wie welches Material verwendet wird und von der Technologie ihrer Herstellung. Möbel erzählen vom Benutzer, über seinen Lebensstil, über seine wirkliche oder vermeintliche Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe, über seine Ansichten etc. Möbel erzählen von ihrer "praktischen" Funktion, ihre Bedienung wird nicht nur möglich, sondern auch anschaulich und wünschenswert.
Ein Möbelstück ist ein künstliches Produkt, dessen Sprache von Gestalter und Benutzer bestimmt wird. Die Art und der Inhalt der Sprache bilden die gestalterische Qualität eines Möbels und messen sich am Grad der Übereinstimmung mit dem Benutzer. Aufgabe und Ziel der Designer ist es, mit Hilfe formal-sprachlicher Interpretation diesen Konsenz, diese Identität zu schaffen.


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